AUFSTAND DER KÖLNER HUREN
Wir schaffen für die Stadt an
Köln – Im Rotlicht wächst der Ärger über die neue Praxis zur Eintreibung der Sex-Steuer. Die Prostituierten schimpfen, dass sie von der Stadt viel zu oft und zu hoch abkassiert werden.
Durch ein kürzlich ergangenes Urteil darf die Stadt nicht mehr den Bordell-Chef für die Sex-Steuer „seiner Mädels“ in Haftung nehmen. So wenden sich die Fahnder direkt an die Prostituierten.
Eine von ihnen ist Leila Ü. Die 27-jährige Deutsch-Türkin zeigt ihren Steuerbescheid und kann es nicht fassen: „1200 Euro wollen die haben. Für die letzten Monate und sogar im voraus.“
Der Hintergrund: 6 € sind pro Tag an Sex-Steuer fällig. Dabei geht die Stadt grundsätzlich von 25 Arbeitstagen im Monat aus und verlangt 150 € pauschal. „Es sei denn, die Damen können glaubhaft nachweisen, dass sie weniger arbeiten“, so Josef Rainer Frantzen, Chef vom Kassen- und Steueramt.
„Wie sollen wir das denn machen?“, schüttelt Leila den Kopf. „Ich habe nur zweimal die Woche gearbeitet.“ Und eine Bescheinigung, dass sie ansonsten zu Hause war, könne sie von ihrer ahnungslosen Familie nicht vorlegen. Leila: „Ich hab‘ höchstens noch ’ne Eintrittskarte vom Zoo.“
„Reicht nicht“, so Frantzen, „da steht der Name der Steuerschuldnerin nicht drauf.“ Viele Prostituierte kämen ihrer steuerlichen Meldepflicht nicht nach. „Und wenn sie dann bei Kontrollen angetroffen werden, sagen sie, dass dies ihr erster und einziger Arbeitstag sei“, berichtet der Amtsleiter: „Wenn man so oft belogen wird, wird man schon skeptisch.“
Es gebe aber eine Bandbreite von Nachweisen: Gelegenheits-Prostituierte legten im Steueramt den Arbeitsvertrag ihres „normalen Berufs“ vor. Urlaubsbuchungen, Atteste und Anzeigen („Chantal ist mo – mi für Sie da“) würden akzeptiert.
Doch damit sind Leila und ihre Kolleginnen nicht einverstanden. Romina: „Wir müssen uns beim Amt nun regelmäßig zur Arbeit an- und abmelden. Mir kommt es vor, als ob wir dort angestellt sind und für die Stadt anschaffen gehen.“
(Quelle: express.de)