Stadt sagt Nein zum Bordell
Kaltenkirchens Politiker ändern Bebauungsplan, damit ein geplantes Rotlicht-Etablissement an der Kieler Straße nicht mehr genehmigungsfähig ist.
Kaltenkirchen – Offenherzige Einblicke in sein Eheleben hat Bürgermeister Stefan Sünwoldt den Stadtvertretern gewährt. Wenn seine Frau Mary sich etwas in den Kopf setze, müsse man sich warm anziehen, sagte der Verwaltungschef. Mary Sünwoldt gehört zu den entschiedenen Gegnern eines Bordells, das am Ortsausgang an der Kieler Straße eröffnet werden sollte. “Da will ich was machen”, hatte sie empört ihrem Mann verkündet.
Eine von ihr geplante Unterschriftenaktion war jedoch nicht mehr erforderlich. Die Stadtvertretung änderte den Bebauungsplan für das Gebiet, sodass ein Rotlicht-Etablissement in den seit zwei Jahren geschlossenen Imbiss-Räumen an der Kieler Straße neben der Shell-Tankstelle nicht mehr genehmigungsfähig ist.
Ein Investor hatte sich an die Stadt gewandt und wollte in den Räumen einen “Nachtclub (Betriebsart: Bordell)” einrichten und hatte auch gleich angegeben, wieviele Prostituierte dort ihren Job erledigen werden. Diese Zahl verschwieg Sünwoldt im Kommunalparlament allerdings diskret. Auch andere Erkenntnisse wurden Politikern und Zuschauern bei diesem heiklen Tagesordnungspunkt geboten. Zum Beispiel, dass eine Verwaltung ein Bordell nicht als Vergnügungsstätte einstuft. Eine Erklärung, warum man im Rathaus stattdessen von einem “Gewerbe” spricht, blieb Bauausschuss-Chef Georg Loger dem Publikum schuldig.
Dennoch liefert diese Definition den Anlass für die Änderung des Bebauungsplans: Gewerbe sei in der alten Fassung des Werks auf dem Gelände zulässig, sagte der Sozialdemokrat. Vergnügungsstätten jedoch nicht.
Auch wusste Loger zu berichten, dass der Gesetzgeber zwischen einem Bordell und einem bordellartigen Betrieb differenziere. Der feine Unterschied: Im bordellartigen Betrieb arbeiten die Damen nur, in einem Bordell wohnen sie auch.
Und Zuschauer und Politiker erfuhren, was in diesem Zusammenhang unter “bodenrechtlichen beachtlichen Spannungen” zu verstehen ist, von denen in der schriftlichen Vorlage der Stadtverwaltung die Rede war. “Sind damit Vibrationen gemeint?” fragte die Liberale Elke Adomeit.
Falsch, Frau Stadtvertreterin! Vielmehr wollte ein Rathaus-Mitarbeiter mit dieser vornehmen Formulierungen vor Streit in der Nachbarschaft warnen, der drohen könnte, wenn der Betrieb im Bordell auf Touren kommt. Ob dies auch ein Hinweis auf die streitbare Mary Sünwoldt sein sollte, die in der Nähe mit Kindern und ihrem Gatten wohnt, blieb in der Sitzung offen.
Die Frau des Bürgermeisters hatte angeblich von einer Patientin in ihrer Praxis für Krankengymnastik von den Plänen für ein Bordell erfahren und gleich bei ihrem Mann nachgefragt, was denn da dran sei. Er habe seiner Frau die Pläne bestätigt, sagte der Bürgermeister. Details habe er jedoch nicht genannt, betonte Sünwoldt und nahm den Kritikern den Wind aus den Segeln, die ihn verdächtigt hatten, im Kreis der Familie aus vertraulichen Akten geplaudert zu haben.
Doch es gab auch ernsthafte Kritik. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Eberhard Bohn lehnt zwar ebenfalls ein Bordell am Kaltenkirchener Ortseingang ab, kritisierte jedoch die mangelnde Rechtssicherheit für Investoren. Es werde in der Stadtvertretung ein gültiger Bebauungsplan verändert, nur weil ein Vorhaben geplant sei, dass die Stadtvertretung nicht wolle.
(Quelle: abendblatt.de)