Zur Prostitution gezwungen und ausgebeutet
Prozess: Pinneberger Bordellbetreiber werden 128 Straftaten vorgeworfen
Der aus Rumänien stammende Angeklagte soll der Kopf einer internationalen Bande sein, die brutal agiert.
Pinneberg/Itzehoe – Eduard M. wirkt auf den ersten Blick wie ein seriöser Geschäftsmann. Seine Geschäfte waren alles andere als seriös: Der Pinneberger gilt als Kopf einer Bande, die Frauen – teilweise unter 21 Jahren – zur Prostitution nach Deutschland holte, einschüchterte und ausbeutete. Außerdem wird ihm Drogenhandel vorgeworfen. Gestern begann der Prozess am Landgericht Itzehoe.
30 Minuten benötigte Staatsanwalt Hendrik Schwitters, die Anklageschrift zu verlesen. Sie listet 128 Straftaten auf. 2003 soll der gebürtige Rumäne, der nun deutscher Staatsbürger ist, die Herrschaft über die “Night Bar 195″ übernommen haben. Das Gebäude an der Elmshorner Straße diente einst als Ruhehaus für die Damen, die im Rellinger “Club 92″ anschafften. Als der schloss, wurde es als “Pinneberger Privat-Club” selbst zum Bordell. Nach einer Razzia 2001 war zunächst Schluss.
In der Nacht zum 23. Mai dieses Jahres stürmten erneut Polizisten das Haus. Sie trafen sieben Damen, vier Freier und Betreiber Eduard M. an. Der wurde verhaftet. Außerdem wurden 21 weitere Objekte, darunter Privatwohnungen, ein kleines Hotel im Kreis Segeberg und der “Aphrodite Club” in Hamburg-Rahlstedt, durchsucht. Alle stehen in Verbindung zur Gruppe des Hauptangeklagten.
Der verkaufte neben Sex auch Kokain an die Freier. 100 Fälle der Anklage betreffen Drogengeschäfte. Die Damen in der “Night Bar 195″ stammten vorwiegend aus der Heimat des Angeklagten. Weil Rumänien nicht zur EU gehört, besaßen sie weder Arbeits- noch Aufenthaltserlaubnis. Um ihren Status zu legalisieren, organisierte Eduard M Ehen mit Deutschen. Elf solcher Fälle zählt die Anklage auf.
Sie liefen stets nach demselben Muster ab: Der Angeklagte chauffierte die heiratswillige Dame nach Dänemark, wo sie erstmals auf ihren Bräutigam traf. 8000 Euro kassierte der 41-Jährige von der Braut, die dank der Heiratsurkunde von der Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis erhielt und weiterarbeiten konnte. Drei Viertel der Erlöse aus dem Geschäft mit dem Sex, so die Anklage, mussten die Damen an ihren Zuhälter abtreten.
Und wenn sie aussteigen wollten, wurden sie laut Anklage bedroht. Eduard M. suchte eine Prostituierte in Rumänien auf und kündigte an, sie und ihren Sohn niederzumachen, wenn sie nicht nach Pinneberg zurückkehrt. In einem anderen Fall kündigte er an, sexuelle Aufnahmen der Frau ihren ahnungslosen Verwandten in der Heimat zu überlassen.
Im “Moin Moin Club” in Ricklingen soll Eduard M. zudem einen Konkurrenten verprügelt und gedroht haben, ihm die Füße abzuschneiden und an den Beinen im Wald aufzuhängen. Um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen, soll er ein Messer in eine Türschwelle gerammt haben.
Nach Verlesung der Anklageschrift wurde das Verfahren auf den 10. November vertagt. Noch “pokert” Verteidiger Norbert John, ob sein Mandant zur Sache aussagt. Ein Geständnis könnte die Höhe der Strafe reduzieren. Bleibt der Angeklagte stumm, folgen umfangreiche Zeugenvernehmungen. Teilweise müssten Ex-Prostituierte aus ihrer Heimat zum Prozess gebracht werden. Ein anderes Problem besteht darin, dass viele Zeugen sich selbst strafbar gemacht haben und daher die Aussage verweigern könnten.
(Quelle: abendblatt.de)