29. Juni 2008. In Wien stehen Deutschland und Spanien im EM-Finale. Am Nachmittag des selben Tages surft Stephan L. (27) in Rostock durch das Internet. Und entdeckt eine Anzeige. “Sandra” bietet dort ihre Liebesdienste an. Der Student wird neugierig und fährt zu der angegebenen Straße. Bei einer markierten Adresse klingelt er. Eine Prostituierte öffnet.
Was dann passiert, beschreibt der junge Mann heute als eine “weniger gute Idee”. Nachdem er den Preis für ein Schäferstündchen ausgehandelt hat, lässt er versteckt eine Kamera laufen, die den Akt aufzeichnen soll. Der Plan fliegt auf. “Sandra” ist stinksauer.
In der Großen Strafkammer des Landesgerichts wird seit gestern darüber verhandelt, ob die Angeklagten Alexander O., Steven K. und Henry K. für das verantwortlich gemacht werden können, was das Opfer Stephan L. gegenüber der Polizei zu Protokoll gab. So lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft: Nachdem “Sandra” hinter den Trick mit der versteckten Kamera kam, soll sie Henry K. informiert haben. Dieser sei dann in die Modelwohnung in der Kirchenstraße gekommen und habe auf Stephan L. eingeprügelt. Mit der Faust ins Gesicht. Der Zeuge erkannte den mutmaßlichen Täter gestern auf der Anklagebank.
Später sei Alexander O. erschienen, habe weiter auf den “Freier” eingeschlagen. “Ich habe mehrfach gerufen: Bitte nicht!”, beteuert Stephan L., der Alexander O. vor Gericht jedoch nicht als Peiniger identifizieren konnte. Dem am Boden liegenden Opfer, so die Anklage, habe Alexander O. den Mund mit Paketband zugeklebt, dessen Füße gefesselt.
Zeuge erinnert sich vor allem an die EM-Frage”Um aus der Sache wieder rauszukommen, habe ich dann Geld angeboten”, erklärt Stephan L. 500 Euro – so das ausgehandelte Lösegeld. Das verängstigte Opfer ruft eine Bekannte an. Diese soll die Summe an einem verabredeten Ort übergeben. Wofür das Geld ist, weiß die Freundin nicht. Als letzter sei Steven K. hinzugekommen. Stephan L. erkennt ihn im Gerichtssaal. Die Lage habe sich danach entspannt, so der Geschädigte. “Er hat mich gefragt, wer wohl heute das EM-Spiel gewinnt”, erinnerte sich Stephan L. gestern. Steven K. auf der Anklagebank muss schmunzeln. In dem von seinem Verteidiger verlesenen Beweisantrag ließ er zuvor erklären, er habe versucht, beruhigend auf die Situation einzuwirken. Die Zeugenaussage unterstützt diese Behauptung.
5000 Euro in 25 Monatsraten Heute wird die Verhandlung fortgesetzt. Neben dem Vorfall vom 29. Juni ist in zwei weiteren Strafsachen ein Urteil zu finden. Alexander O. soll einen Mann in einer Modelwohnung geschlagen haben. Nieren- und Rippenprellungen sowie innere Blutungen seien die Folge gewesen. Unter der Androhung ihm die Finger der rechten Hand zu brechen, hätten Alexander O. und Henry K. ihr Opfer um 5000 Euro – zu zahlen in 25 Monatsraten – zu erleichtern versucht. Darüber hinaus ist Alexander O. angeklagt, seine.
ehemalige Lebensgefährtin bewusstlos getreten zu haben. Alle drei Angeklagten stehen ebenfalls im Gremium-Prozess vor Gericht. Mit 60 Mitgliedern des Motorradclubs sollen sie am 24. Februar 2007 bei einer Boxveranstaltung in der Scandlines-Arena neun Männer einer Sicherheitsfirma überfallen haben.
(Quelle: svz.de)