Prostituierte fühlen sich verleumdet
Im Juni wurden bei einer Großrazzia von Polizei, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung im Rotlicht-Milieu mehrere Wohnungen, Geschäftsräume und Bordelle unter anderem in Villingen-Schwenningen durchsucht (wir berichteten). Dabei wurden fünf Männer festgenommen, denen Zuhälterei, Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Vergewaltigung vorgeworfen wird. Drei von ihnen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, da sie laut Staatsanwaltschaft Teilgeständnisse abgelegt haben. Da keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr angenommen werde, seien die Haftbefehle außer Vollzug gesetzt worden. Zwei Männer, die dem engeren Führungskreis der mutmaßlichen Zuhälterbande zugeordnet werden, sitzen nach wie vor in Haft.
Im Zuge der Festnahmen war die Rede von Brandmarkung der Prostituierten. Dagegen wehren sich die Damen entschieden: Diana, Yvonne, Barbie, Coco und die anderen Frauen, die im „La Notte“ und „Laufhaus“ als Prostituierte arbeiten, sind traurig und wütend. Traurig, weil „ihre Männer“, wie sie die Bordellbetreiber bezeichnen, im Gefängnis saßen oder noch sitzen. Und wütend, weil die Darstellung der Staatsanwaltschaft in Pressemitteilungen offenbar nicht dem entspricht, wie die Männer mit den Frauen wirklich umgegangen sind. So wollen sie beispielsweise die Behauptung, die Frauen seien mit dem Namen ihrer Zuhälter „gebrandmarkt“ worden, so nicht stehen lassen. „Wir sind doch keine Viecher. Es handelt sich um ganz normale Tätowierungen, mit den Namen unserer Männer“, erklärt Diana und zeigt ihren Ringfinger, auf dem der Name einer der „Männer“ tätowiert ist, der jetzt im Gefängnis saß.
„Weshalb sollte ich mir das Tattoo machen lassen, wenn ich es nicht wollte.“ Und Yvonne ergänzt, „wir machen das aus Liebe.“
Auch der Vorwurf der Vergewaltigung und des Menschenhandels sei absurd, erklären die Frauen. „Wenn es wirklich so wäre, dass wir zur Prostitution gezwungen worden wären, hätten wir doch jetzt die Möglichkeit, abzuhauen, aber wir sind immer noch da. Wir leben hier in Deutschland, wer sich hier zu irgendetwas zwingen lässt, ist dumm.“
Die neun Huren betonen im Gespräch mit dieser Zeitung mehrfach, dass sie ihrem Beruf absolut freiwillig und ohne jeglichen Druck nachgehen. „Wir können unsere Arbeitszeit und den Preis für unsere Dienstleistung selbst bestimmen und auch, mit welchem Freier wir aufs Zimmer gehen und mit wem nicht.“ Außer einer täglichen Miete, die sie für das Zimmer in den Clubs bezahlen, bräuchten sie kein weiteres Geld an die Bordellbetreiber abgeben, sagen sie.
Schwere Kritik üben die Prostituierten an der Vorgehensweise von Polizei und Staatsanwaltschaft. „Die haben uns unsere Autos weggenommen, unsere Handys, Fernseher und unser Geld.“ Auch sei bei der Durchsuchungsaktion etliches zu Bruch gegangen. Türen seien eingetreten und Inventar beschädigt worden. „Jetzt müssen wir anschaffen gehen, um das alles zu bezahlen.“ Dies sei wiederum nicht einfach, weil seit der Razzia in den Bordellen im wahrsten Sinne „tote Hose“ herrscht und die Freier ausbleiben.
Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz erklärte Staatsanwalt Hettenbach, dass „die Beschlagnahme sicher nicht ohne gerichtliche Anordnung durchgeführt wurde.“ Es könne sein, dass diese Gegenstände als Beweismittel dienen können. Oder um zu ermitteln, ob die Gegenstände mit illegal erworbenem Geld beschafft wurden. „In diesem Fall würden die Gegenstände eingezogen.“ Sollte sich herausstellen, dass Autos, Handys, Fernseher und das Bargeld den Frauen gehört, bekommen sie es wieder. Dass einer der Männer, gegen den sich der Verdacht der Zuhälterei und Menschenhandels richtet, bei der Razzia nicht angetroffen werden konnte, sei übrigens reiner Zufall gewesen und habe nichts mit Flucht zu tun gehabt, meinen die Vertreterinnen des wohl ältesten Gewerbes der Welt. „Er ist am Vortag der Razzia in den Urlaub nach Bosnien gefahren“, erklärt die Anwältin, die die Frauen und besagten Mann vertritt und die ihrem Mandanten riet, bis auf Weiteres in Bosnien zu bleiben.
(Quelle: suedkurier.de)

