Prostituierte fühlen sich verleumdet

Posted in News by admin @ Sep 16, 2009 - Kommentare deaktiviert

Im Juni wurden bei einer Großrazzia von Polizei, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung im Rotlicht-Milieu mehrere Wohnungen, Geschäftsräume und Bordelle unter anderem in Villingen-Schwenningen durchsucht (wir berichteten). Dabei wurden fünf Männer festgenommen, denen Zuhälterei, Menschenhandel, Steuerhinterziehung und Vergewaltigung vorgeworfen wird. Drei von ihnen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, da sie laut Staatsanwaltschaft Teilgeständnisse abgelegt haben. Da keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr angenommen werde, seien die Haftbefehle außer Vollzug gesetzt worden. Zwei Männer, die dem engeren Führungskreis der mutmaßlichen Zuhälterbande zugeordnet werden, sitzen nach wie vor in Haft.

Im Zuge der Festnahmen war die Rede von Brandmarkung der Prostituierten. Dagegen wehren sich die Damen entschieden: Diana, Yvonne, Barbie, Coco und die anderen Frauen, die im „La Notte“ und „Laufhaus“ als Prostituierte arbeiten, sind traurig und wütend. Traurig, weil „ihre Männer“, wie sie die Bordellbetreiber bezeichnen, im Gefängnis saßen oder noch sitzen. Und wütend, weil die Darstellung der Staatsanwaltschaft in Pressemitteilungen offenbar nicht dem entspricht, wie die Männer mit den Frauen wirklich umgegangen sind. So wollen sie beispielsweise die Behauptung, die Frauen seien mit dem Namen ihrer Zuhälter „gebrandmarkt“ worden, so nicht stehen lassen. „Wir sind doch keine Viecher. Es handelt sich um ganz normale Tätowierungen, mit den Namen unserer Männer“, erklärt Diana und zeigt ihren Ringfinger, auf dem der Name einer der „Männer“ tätowiert ist, der jetzt im Gefängnis saß.

„Weshalb sollte ich mir das Tattoo machen lassen, wenn ich es nicht wollte.“ Und Yvonne ergänzt, „wir machen das aus Liebe.“

Auch der Vorwurf der Vergewaltigung und des Menschenhandels sei absurd, erklären die Frauen. „Wenn es wirklich so wäre, dass wir zur Prostitution gezwungen worden wären, hätten wir doch jetzt die Möglichkeit, abzuhauen, aber wir sind immer noch da. Wir leben hier in Deutschland, wer sich hier zu irgendetwas zwingen lässt, ist dumm.“

Die neun Huren betonen im Gespräch mit dieser Zeitung mehrfach, dass sie ihrem Beruf absolut freiwillig und ohne jeglichen Druck nachgehen. „Wir können unsere Arbeitszeit und den Preis für unsere Dienstleistung selbst bestimmen und auch, mit welchem Freier wir aufs Zimmer gehen und mit wem nicht.“ Außer einer täglichen Miete, die sie für das Zimmer in den Clubs bezahlen, bräuchten sie kein weiteres Geld an die Bordellbetreiber abgeben, sagen sie.

Schwere Kritik üben die Prostituierten an der Vorgehensweise von Polizei und Staatsanwaltschaft. „Die haben uns unsere Autos weggenommen, unsere Handys, Fernseher und unser Geld.“ Auch sei bei der Durchsuchungsaktion etliches zu Bruch gegangen. Türen seien eingetreten und Inventar beschädigt worden. „Jetzt müssen wir anschaffen gehen, um das alles zu bezahlen.“ Dies sei wiederum nicht einfach, weil seit der Razzia in den Bordellen im wahrsten Sinne „tote Hose“ herrscht und die Freier ausbleiben.

Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz erklärte Staatsanwalt Hettenbach, dass „die Beschlagnahme sicher nicht ohne gerichtliche Anordnung durchgeführt wurde.“ Es könne sein, dass diese Gegenstände als Beweismittel dienen können. Oder um zu ermitteln, ob die Gegenstände mit illegal erworbenem Geld beschafft wurden. „In diesem Fall würden die Gegenstände eingezogen.“ Sollte sich herausstellen, dass Autos, Handys, Fernseher und das Bargeld den Frauen gehört, bekommen sie es wieder. Dass einer der Männer, gegen den sich der Verdacht der Zuhälterei und Menschenhandels richtet, bei der Razzia nicht angetroffen werden konnte, sei übrigens reiner Zufall gewesen und habe nichts mit Flucht zu tun gehabt, meinen die Vertreterinnen des wohl ältesten Gewerbes der Welt. „Er ist am Vortag der Razzia in den Urlaub nach Bosnien gefahren“, erklärt die Anwältin, die die Frauen und besagten Mann vertritt und die ihrem Mandanten riet, bis auf Weiteres in Bosnien zu bleiben.

(Quelle: suedkurier.de)

15-Jährige zur Prostitution gezwungen – Bewährung

Posted in News by admin @ Sep 7, 2009 - Kommentare deaktiviert

Krefeld. (dpa) Weil sie zwei Nigerianerinnen, eine 15-Jährige und eine junge Erwachsene, zur Prostitution gezwungen hat, hat das Amtsgericht Krefeld eine 38-Jährige zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Das Urteil erging wegen gewerbsmäßigen Menschenhandels und Zuhälterei. Die Frau aus Wuppertal, die im Prozess gestanden hatte, muss zudem 3 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Ein Geschäftsmann aus Düsseldorf wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der 60-Jährige hatte behauptet, nicht gewusst zu haben, dass die 15-Jährige nicht freiwillig im Bordell arbeitete. Er muss dem Mädchen 15 000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die 15-Jährige und ihre Landsmännin waren über einen Kontaktmann der 38-Jährigen in Nigeria unter dem Vorwand nach Deutschland gekommen, dass sie hier ein besseres Leben erwartet. In Deutschland hatte die 38-Jährige für die Einschleusung und die entsprechenden Papiere dann aber jeweils 55 000 Euro von den jungen Frauen verlangt. Um das Geld aufzubringen, mussten sie beiden in Bordellen in Krefeld und Oberhausen anschaffen gehen.

(Quelle: general-anzeiger-bonn.de)

Prostitution an der Charlottenstraße: Kontrollen im Sperrbezirk

Posted in News by admin @ Sep 6, 2009 - Kommentare deaktiviert

Düsseldorf (RP) Wenn Messe ist in Düsseldorf, boomt das Geschäft an der Charlottenstraße. Tag und Nacht bieten junge Frauen dort ihre – vielfach von Drogensucht gezeichneten – Körper an. Der städtische Ordnungs- und Servicedienst geht vor allem gegen die Freier vor, die sich am Elend der Mädchen weiden.

Der dickliche Mittsechziger in ballonseidener Jogginghose steht verlegen vor seinem Ford. Vier Mitarbeiter des städtischen Ordnungs- und Servicedienstes OSD haben ihn gerade mit einer jungen Prostituierten angetroffen. „Was soll ich dazu sagen?“ fragt er die Männer in Zivil, und dann sagt er doch etwas, von Mitleid, dass er mit der im Drogenentzug zitternden Frau hat, und von der Faszination, die die süchtigen süchtigen Mädchen vom Straßenstrich auf ihn ausüben. Er wolle „helfen“ , sagt er wirklich.

„Manchmal frage ich mich, ob die glauben, dass ich glaube, was sie mir erzählen“, sagt Wolfgang Schneider, Dienstgruppenleiter beim OSD, und in dieser Nacht mit zehn Kollegen im Sperrbezirk unterwegs. Es ist Messe und zumindest das Geschäft mit dem käuflichen Sex boomt. Gerade schleicht ein AudiA8 zum dritten Mal die Charlottenstraße entlang. Ein Mercedes älteren Baujahrs mit ebensolchem Fahrer ist schon am Vortag aufgefallen.

Die Kennzeichen haben die OSD-Fahnder notiert. Der Halter bekommt demnächst Post. 20 Euro sind für „unnötiges Herumfahren“ fällig, ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. „Aber weil wir nicht nur Ordnungs-, sondern auch Servicedienst sind“, sagt Schneider süffisant, „informieren wir in einem Flyer auch über den Sperrbezirk und Ansteckungsrisiken. Dumm nur, wenn die Ehefrau den Brief öffnet.“

Verheiratet sind viele der Männer, die auf der „Rue“, wie die Charlottenstraße in einschlägigen Kreisen heißt, nach Mädchen suchen, die fast alles tun, um Geld für den nächsten Schuss Heroin zu bekommen. Familienväter sind dabei, und gutbetuchte Unternehmer. „Es geht nicht um Sex. Es geht um Macht und darum, die Mädchen auf Entzug im Preis zu drücken, um sie zu entwürdigen“, sagt Schneider. Auch der „mitleidige“ Mann im Jogginganzug hat gerade mal zehn Euro für die Dienstleistung bezahlt, bei der der OSD gestört hat.

In den 80000Euro teuren Audi A8 ist ein Mädchen eingestiegen. „Zustieg“ melden Schneiders Kollegen per Funk und nehmen die Verfolgung auf. Sie greifen erst ein, wenn Freier und Hure sich nahe kommen. „Erst wenn die Situation eindeutig ist, hält die Sache vor Gericht.“ Dem älteren Herrn, der ein Mädchen von der Charlottenstraße zu seinem Haus in Eller mitgenommen hat und nun beteuert, sie sei seine Freundin, wird das Gegenteil kaum zu beweisen sein – die 40 Jahre jüngere Süchtige bestätigt den offensichtlichen Schwindel.

Der A8 aus dem Münsterland hält unterdessen vorm Kino am Bahnhof. Die Beifahrerin ist weg. Wenig später wird er wieder gesichtet – mit einem anderen Mädchen und auf dem Weg zu einem Parkplatz an der Kölner Straße. Als der OSD dort eintrifft, ist der Wagen leer. Durch einen Zaun, der den Platz von einem schmuddeligen Brachgelände trennt, zwängt sich eine, den Kontrolleuren lange bekannte Transsexuelle. Der Freier habe ihr Angst gemacht, sie sei geflüchtet, sagt sie. Der Mann im Anzug ist nicht auffindbar.

Nur scheinbar verlässt der OSD den Parkplatz. Die Prostituierte hat für den Abend einen Platzverweis kassiert. Wird sie nochmals angetroffen, muss sie ins Gewahrsam. Viel nützt das nicht, das weiß auch der OSD. „Aber uns geht es ja vor allem um die Freier. Die Mädchen wissen, dass wir ihnen nichts Böses wollen,“ sagt Schneider. Trotzdem beschimpft ihn eine junge Bulgarin: „Ihr macht uns jetzt schon seit drei Tagen das Geschäft kaputt.“ „Genau das“, erklärt Schneider ihr gelassen, „ist unser Job“.

Der A8-Fahrer kommt zu seinem Auto zurück und tut ahnungslos, als ihn der OSD höflich begrüßt. Nein, von einer Prostituierten weiß er nichts, hat doch nur fünf Bier getrunken und ist dann hierher gefahren, wo er vor Stunden schon geparkt hat, sagt der 38-Jährige. Als er begreift, dass er soeben eine Alkoholfahrt gestanden hat und Wolfgang Schneider nun die Polizei ruft, verweigert er Bluttest und Aussage. Ihn wird Schneider wohl vor Gericht wieder treffen.

Den Mädchen von der Charlottenstraße begegnet der OSD schon am nächsten Abend wieder. Die Kontrolleure kennen die Geschichten von vielen, haben Mitleid und oft auch Sympathien für die eine oder andere. Trotzdem müssen sie sich jeden Abend innerlich dagegen wappnen. „Retten können wir die Mädchen nicht.“

(Quelle: rp-online.de)

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