Stadt soll stärker gegen Prostitution vorgehen
Beschwerden von Anwohnern – Grüne kritisieren Verkauf von städtischen Immobilien im Leonhardsviertel
Stuttgart – Einige Krisensitzungen zur Situation des Leonhardsviertels hat es im vergangenen Jahr schon gegeben. Immer mehr Anwohner und auch Gewerbetreibende beschweren sich darüber, dass die Prostitution in dem Viertel zunimmt. Die Grünen verlangen nun von der Stadt, stärker gegen das Sexgewerbe vorzugehen.
„Der Verkauf verschiedener Gebäude im Besitz der Stadt beziehungsweise der SWSG im Quartier zwischen Katharinen-, Wilhelms-, Hauptstätter und Pfarrstraße war ein Fehler“, sagt Silvia Fischer von den Grünen. Zwar hat die Stadt den neuen Eigentümern zur Auflage gemacht, dass in den Gebäuden kein Sexgewerbe angesiedelt werden darf, die sogenannte Dirnenklausel. Eingehalten wurde dies aber nicht immer. Zurzeit schwelt ein neuer Fall. „Es gibt Vermutungen, dass versucht wird, in einem Gebäude an Prostituierte zu vermieten“, weiß Thomas Zügel vom Liegenschaftsamt der Stadt. Gerüchte gehen um, der Eigentümer versuche, die jetzigen Mieter rauszuekeln. Ein klärendes Gespräch bei der Stadt gab es, allerdings wurde darüber Stillschweigen vereinbart.Generell hat die Zahl der gemeldeten Prostituierten in Stuttgart zugenommen. Diese gehen ihrer Arbeit zwar bei weitem nicht nur im Leonhardsviertel nach, doch kommen von dort viele Beschwerden. Wirte und Ladenbesitzer klagen über Müll, Anwohner vor allem über den zunehmenden Lärm in der Nacht. „Das Leonhardsviertel ist ein Quartier mit vielfältigen Nutzungen: Wohnen, Handwerk, Kleingewerbe und gewissen Vergnügungsstätten“, so Fischer. Das Rotlicht werde und wolle man natürlich nicht herausbekommen, es solle aber nicht überhand nehmen. Die Stadt müsse deshalb steuernd eingreifen. Zunächst solle die Stadt keine Immobilien mehr verkaufen, stattdessen sollen verträgliche Nutzungen dafür gefunden werden. Viele davon gibt es jedoch nicht mehr, laut Zügel besitzt die Stadt noch zwei Gebäude im Viertel. Da das Leonhardsviertel als Sanierungsgebiet ausgewiesen ist, hat die Stadt außerdem ein Vorkaufsrecht, wenn Immobilien auf den Markt kommen. Dieses Recht solle öfter ausgeübt werden, fordern die Grünen. Die Strategie „Aufkaufen und austrocknen“ habe es schon unter dem früheren OB Manfred Rommel gegeben, weiß Zügel. Funktioniert habe das allerdings nicht. „Man sitzt dann auf Gebäuden, die man möglicherweise nicht vermieten kann.“Leicht ist es nicht, die Gebäude im Viertel sinnvoll und anwohnerverträglich zu nutzen. Denn mit normalen Wohnungen ist weit weniger verdient als bei der Vermietung ans Sex-Gewerbe. So wurde das Haus, in dem früher das Spielzeugmuseum untergebracht war, zwar an einen Investor mit hehren Absichten verkauft. Das Vorhaben von studentischem Wohnen jedoch scheiterte, der Investor gab auf und verkaufte wieder.Um den Druck des Sexgewerbes aus dem Viertel zu nehmen,, würden die Grünen notfalls in einem Gewerbegebiet an anderer Stelle der Stadt ein Laufhaus akzeptieren. Dass das schwierig ist, weiß Fischer. „Die heiße Kartoffel will keiner in die Hand nehmen.“
(Quelle: ez-online.de)

