Freimann: Polizei warnt vor Groß-Bordell
München – An der Isar gibt es mehr Prostituierte als in Hamburg. Mit dem geplanten Groß-Bordell in Freimann könnten es noch mehr werden. Davor warnt jetzt die Polizei.
Fast ganz München ist rot: Der Sperrbezirk. Nur zwischendrin dürfen Rotlicht-Viertel entstehen. Die größten liegen zwischen Lerchenau und Hasenbergl , im Euro-Industriepark, im Moosfeld und um die Meglinger- und Machtlfinger Straße. In der Öffentlichkeit ist käuflicher Sex überall untersagt. Zum „Anbahnen“, wo die Prostituierten ihre Freier direkt ansprechen, gibt es Straßenstrichs: Und zwar an der Ingolstädter Straße, der Freisinger Landstraße, Am Neubruch in Moosach, am Autobahnkreuz München-West, an der Landsberger Straße, der Hansastraße, an den Isarauen, an der Friedenstraße hinter dem Ostbahnhof und an der Zamdorfer Straße.
Man glaubt es kaum: München schlägt die Kiez-Stadt Hamburg, was die Anzahl der Prostituierten angeht. Gut 2450 Frauen gehen an der Alster anschaffen, schätzt die dortige Polizei, dazu rund 130 Stricher. Die Münchner Polizei hat 2008 bei ihren Kontrollen 2636 legale Liebesdamen und Stricher registriert. Bordell-Betriebe gibt es in Hamburg allerdings deutlich mehr: Rund 400 sind es, vom Sex-Kino als Anbahnungs-Treff bis zum Laufhaus an der Reeperbahn mit 99 Betten. 160 sind es offiziell in München.
Jetzt könnte in Freimann eines der größten Bordelle Europas entstehen. Wie berichtet, will ein Investor an der Freisinger Landstraße eine Pharma-Fabrik in einen Lust-Komplex verwandeln. Ein Schwimmbad und 30 Zimmer für Liebesdienste auf rund 2300 Quadratmetern, lautet der Antrag an die Lokalbaukommission.
Wellen der Empörung schlagen dem Projekt entgegen. „So eine Institution hat in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Wohngebiets nichts zu suchen“, sagt der Chef des örtlichen Bezirksausschusses, Werner Lederer-Piloty (SPD). Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer befürchtet gar, das „Monsterbordell“ könnte Freimann „zum zentralen Rotlichtviertel Süddeutschlands“ machen.
Mit den angekündigten 30 Zimmern wäre das Freudenhaus kleiner als Münchens größtes, das „Vitalia“ im Euro-Industriepark. 52 Zimmer hat dieses, 30 dürfen maximal belegt sein. In dem Laufhaus sitzen die Damen vor den Zimmern, die Kunden suchen sich im Vorbeilaufen eine Frau aus.
Im Vergleich zu den 160 an der Isar registrierten Bordellbetrieben – meist unauffällige Wohnungen in den Rotlichtvierteln, in die sich Prostituierte einmieten – wäre der Freimanner Komplex jedoch sehr groß. Zu Singhammers „Monsterbordell“ könnten das Haus die gut 160 Betten machen, die der Investor im selben Gebäude offiziell als Hotel-Betten deklarieren will.
Der Polizei ist die Sache auch nicht geheuer. Uwe Dörnhöfer von der „Sitte“ ist überzeugt, dass hier der „eigentliche Zweck verschleiert werden soll“. Deswegen hat sein Kommissariat der Stadt geraten, den Antrag des Bauherren abzulehnen.
Zum Vergleich: Das Kölner „Pascha”, wo sich im Schnitt 120 Liebesdienerinnen einmieten, preist sich als größtes Freudenhaus Europas. Freimann könnte ihm den Rang ablaufen, denn rechtlich wäre es kein Problem, wenn die Prostituierten auch die Hotelzimmer nutzen. Das Haus läge nicht im Sperrbezirk.
Ohne Schwierigkeiten, fürchtet Dörnhöfer, könnte dort auch die Zwangsprostitution heimisch werden. „Legale Bordelle dürfen wir jederzeit unangemeldet kontrollieren. Bei Hotels wird das deutlich schwieriger.” Dörnhöfer teilt die Sorge der Freimanner Stadtviertel-Politiker, um den Betrieb herum könnte sich die Kriminalität ausbreiten. Rauschgifthandel und Körperverletzung seien immer im Rotlicht-Milieu zu finden. Mit ein Grund, warum Dörnhöfer die 1969 in München eingerichteten und seitdem mehrfach veränderten Sperrbezirke verteidigt. Der Sperrbezirk schützt Wohngebiete, so dass Bordelle sich vor allem in Gewerbe- und Mischgebieten an der Peripherie niederlassen können. Strip-Bars, Massage-Salons oder Escort- und Call-Boy-Dienste sind in „der Sperre” erlaubt.
Wie groß das illegale Milieu in München ist, lässt sich kaum schätzen. 100 bis 200 Verstöße gegen die Sperrbezirksverordnung gab es 2008. Drei- bis sechshundert Stricher, schätzt die Beratungsstelle „Marikas”, würden vor allem in den Schwulen-Bars am Viktualienmarkt auf Freier-Suche gehen.
(Quelle: merkur-online.de)

