33-jähriger hält Frauen in Karsau fest

Posted in News by admin @ Mrz 16, 2009

Wegen besonders schweren Menschenhandels, Zuhälterei, Körperverletzung und Bedrohung hat die Staatsanwaltschaft einen 33-jährigen Mann angeklagt. Er soll in Karsau Frauen in einer Wohnung festgehalten haben.

RHEINFELDEN. Am ersten Verhandlungstag am Lörracher Amtsgericht schwieg der Angeklagte, der seit ein paar Monaten in Untersuchungshaft sitzt, zu den Vorwürfen.

Die Taten, derer ihn die Staatsanwaltschaft angeklagt hat ereigneten sich zwischen November 2004 und Mai 2005. Nachdem eine der Frauen, die der 33-Jährige zur Prostitution gezwungen hatte, fliehen konnte und zur Polizei gegangen war, war der aus dem Kosovo stammende Angeklagte zunächst untergetaucht oder aus Deutschland abgereist. Im Herbst 2008 wurde er jedoch verhaftet. Der Angeklagte, so die Staatsanwaltschaft, habe in einer Wohnung in Karsau mehrere Frauen festgehalten. Diese durften die Wohnung nicht unbewacht verlassen. Der Angeklagte habe sie zur Prostitution gezwungen. Er habe bestimmt, in welchem Etablissement sie arbeiten und habe 50 Prozent ihrer Einkünfte kassiert. Im Einzelnen mussten die Frauen in Griechenland, in der Schweiz sowie im “Black Bottom” in Grenzach-Wyhlen als Prostituierte arbeiten, hieß es in der Anklageschrift. Damit die Frauen taten, was er wollte, habe der Angeklagte sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen, einmal habe er einer Frau auch eine echt wirkende Pistole an die Schläfe gehalten und hörbar durchgeladen. Einer Frau habe er gedroht, ihre Eltern umzubringen. Der Kosovare nahm von einem Deutschen außerdem Geld an, der damit eine der Frauen kaufen wollte. Womöglich sollte der Deutsche dabei aber nur ausgenommen werden.

Der Angeklagte schwieg zu diesen Vorwürfen, eine Hauptbelastungszeugin tauchte am ersten Verhandlungstag nicht auf. Eine heute 24-jährige Frau, die mit dem Bruder des Angeklagten verheiratet war, sagte jedoch vor Gericht aus. Sie bestätigte, dass sie und drei weitere Frauen die Wohnung in Karsau nicht verlassen durften. Sie selbst arbeitete in Breisach und im “Black Bottom” als Animierdame, sexuelle Dienst habe sie aber, im Gegensatz zu den anderen Frauen nie geleistet, betonte sie. Auf die Frage, weshalb die anderen das getan hätten, antwortete sie: “Sie hatten keine Perspektive, was sie machen sollten, und sie hatten Angst, wenn sie weggehen, dass er sie zurückholt.” Eine der Frauen habe allerdings deswegen mitgemacht, weil sie die Geliebte des im Kosovo verheirateten Angeklagten gewesen sei und er ihr ein schönes Leben in Amerika versprochen habe. Sie sei auch als Vermittlerin zwischen dem Angeklagten und den anderen Frauen aufgetreten. Eine andere Frau habe auch vor und nach dieser Geschichte als Prostituierte gearbeitet. Der Angeklagte habe sie jedoch unter Druck gesetzt, sagte die Zeugin. “Ich hatte auch vor meinem eigenen Mann Angst, wenn ich aus der Wohnung ging. Er hat mich täglich geschlagen”, berichtete sie. Sie habe den Bruder des Angeklagten nur geheiratet, weil er abgeschoben werden sollte.

Weil diejenige Frau, der im Mai 2005 in der Schweiz die Flucht gelang und die zur Polizei gegangen war, zur gestrigen Gerichtsverhandlung nicht erschien, musste die Verhandlung vertagt werden. Der Prozess wird am 6. April fortgesetzt.

(Quelle: badische-zeitung.de)

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