Razzia auf der Reeperbahn – 19 Festnahmen
Kritik von der SPD: Trotz Videoüberwachung habe sich die Sicherheitslage nicht verbessert.
Bei zwei Schwerpunkt-Einsätzen hat die Polizei in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag mit je 140 Beamten versucht präventiv gegen gewalttätige Jugendliche vorzugehen. Die Bilanz: 489 der insgesamt etwa 70 000 Kiez-Bummler wurden überprüft: Es gab 19 Festnahmen und 50 Ingewahrsamnahmen.
Die Davidwache um Mitternacht in der Nacht auf Sonnabend. Drinnen ist Einsatzbesprechung für die 140 Schutzpolizisten. Um die Wache tobt das Kiezleben, Prostituierte, die Freier auf die Steige locken wollen, Junggesellenabschiede, angetrunkene Kneipen-Touristen. 20 000 Menschen. Vor allem jung sind die Kiez-Bummler. Wer schon seinen 25. Geburtstag hinter sich hat, fällt auf. Zwischen Nobistor und Millerntorplatz ist die erhöhte Polizeipräsenz zu spüren, Beamte in kleinen Gruppen zeigen sich in Uniform. Doch es bleibt erstaunlich ruhig: Ein paar Rangeleien, das war’s – dank der Polizeipräsenz?
Anders in der Nacht zu Sonntag: 50 000 Menschen, “deutliche aggressivere Stimmung”, so Polizeisprecherin Ulrike Sweden: “Zahlreiche drohende Auseinandersetzungen wurden unterbunden, es gab teils heftigen Widerstand gegen Polizeibeamte.” 13 Tatverdächtige werden festgenommen. Messer und andere verbotene Waffen wurden aber auch in dieser Nacht nicht entdeckt. Nur Zufall? Immer wieder war es zuletzt aus teils nichtigen Gründen zu Gewalttaten auf St. Pauli gekommen, teils mit tödlichen Folgen (wir berichteten). Der Leiter der Zentraldirektion der Polizei, Kuno Lehmann, sagt zu den Schwerpunkteinsätzen: “Wir wollen erreichen, dass die überwiegend friedlichen St.-Pauli-Besucher wieder gefahrlos über den Kiez bummeln können – frei von Aggression und Gewalt.”
Für die SPD sind die nächtlichen Großeinsätze “das Eingeständnis des Innensenators, auf der Reeperbahn seine Sicherheitsziele verfehlt zu haben”. Andreas Dressel, innenpolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, kritisierte, dass der Kiez trotz Videoüberwachung nicht sicherer geworden sei: “Kameras können keine Polizisten ersetzen.” Nach fast anderthalb Jahren Videoüberwachung werde die Sicherheitslage zudem immer schlechter.
(Quelle: abendblatt.de)

