“Rote Karte für das Rotlichtviertel”
BORDELL Immer mehr Idsteiner machen in der IZ Front gegen das Projekt / CDU-Kritik am Magistrat
Immer mehr Idsteiner machen ihrem großen Unmut über das Bordell-Projekt in Luft: “Als wir erstmalig von den Plänen zur Errichtung eines Bordells in der Nähe unseres Wohnviertels hören, glaubten wir an einen missratenen Scherz. Aber die Stadt meint es ernst – des Geldes wegen. Weil es zum Abriss einer Immobilie an finanziellen Mitteln fehlt, holen wir uns Prostitution und Zuhälterei in die Stadt. Während der Rest der Republik als Lehre einer uferlosen Geldgier über Ehren- und Verhaltenskodex, über Wertesysteme und über den Verlust von Anständigkeit debattiert, fallen in Idstein alle bisher geltenden Schranken”, meinen diese Bewohner aus dem Theodor-Fliedner-Straße auf dem Idsteiner Gänsberg. Und: “Hauptsache das Geld stimmt. Und damit es verträglicher erscheint, setzt man noch ein Edel vor den Begriff des Schandflecks. Nichts hierbei ist edel. Wir machen nicht mit: Rote Karte für das Rotlichtviertel!”
“Wir sind vor zwei Jahren nach Idstein gezogen, weil es für uns und unsere Kinder mit Abstand die schönste Stadt in der Region ist. Als wir vor kurzem erfahren haben, dass der Magistrat sein Einvernehmen für die Umfunktionierung der Lore-Bauer-Halle in ein Edelbordell gegeben hat, waren wir schockiert. Es ist eine Subkultur, die nicht ins Zentrum gehört – und schon gar nicht in eine so kleine und beschauliche Stadt”, wehren sich diese Bewohner aus der Lanaer Straße am Gänsberg.
“Als Hauseigentümer des Gänsberges sind wir besonders betroffen. Der Gedanke, dass unsere Kinder auf dem Weg zu Schule an einer solchen Einrichtung vorbei müssen, ekelt mich an. Ganz zu schweigen vom Wertverfall der Immobilien.”
“Es ist gut, dass die Bürger sich gegen das geplante Bordell organisieren”, kommentiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Zarda die Gründung einer Bürgerinitiative.
Er sei enttäuscht darüber, dass Magistrat und Bürgermeister eine so wichtige Entscheidung ohne Rücksprache mit den Fraktionen im Stadtparlament “am liebsten heimlich, still und leise und sang- und klanglos” durchgewinkt habe. “Das war der Grund, warum ich die Sache für meine Fraktion an die Öffentlichkeit gezogen habe.”
Seiner Ansicht nach hätte eine so wichtige Entscheidung ohne Schaden vertagt werden können, um im Parlament und in der Öffentlichkeit abzuwägen, ob Idstein wirklich ein Bordell haben soll. Seine Absicht, so der CDU-Fraktionsvorsitzende, sei nun, in der kommenden Fraktionssitzung einen Beschluss herbeizuführen, einen Antrag auf Rücknahme des Einvernehmens in der Stadtverordnetenversammlung zu stellen.
“Der Magistrat sollte dem Kreis gegenüber eine solche mögliche Rücknahme ankündigen, damit nicht vollendete Tatsachen geschaffen werden.” Inwieweit eine Sperrgebietsverordnung für Idstein oder die Aufstellung eines Bebauungsplanes in Betracht kämen, solle jetzt ebenfalls geprüft werden. Er sei, so Zarda, jedenfalls enttäuscht über die Aussage des Bürgermeisters, dass alles – auch ein Bordell – besser sei, als der jetzige Zustand. “Umgekehrt wird da ein Schuh daraus: fast alles ist besser als ein Bordell.”
(Quelle: wiesbadener-tagblatt.de)

