Drei Jahre Haft für die Chefin des Pussy-Clubs
Nach 22 Verhandlungstagen ist der Prozess zu einem wenig spektakulären Ende gekommen: Patricia F., die 27-jährige Chefin der Bordelle in Fellbach, Heidelberg, Wuppertal und Berlin-Schönefeld, muss wegen des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt für drei Jahre ins Gefängnis. Ein Kompagnon wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, ein weiterer bekam zwei Einzelstrafen unter zwei Jahren, sein Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt.
Der Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer, Andreas Arndt, stellte von vornherein klar, dass das Gericht nicht über die Legalität von Flatratesex zu entscheiden habe. Auch der Vorwurf des Menschenhandels habe sich nicht erhärtet und sei deshalb eingestellt worden. “Es ging lediglich darum, dass die Prostituierten abhängig beschäftigt waren und nicht als selbstständige Unternehmerinnen”, sagte Arndt. Deshalb seien rund 2,3 Millionen Euro Sozialbeiträge hinterzogen worden.
Die Frauen – in Heidelberg, Berlin und Wuppertal arbeiteten täglich rund 20 Prostituierte, in Fellbach etwa 70 – bekamen für ihre Dienste in den Pussy-Clubs etwa 150 Euro täglich. Dafür mussten sie den Männern unbeschränkt zu Diensten stehen – mit dem Konzept der Flatratebordelle hatten die Betreiber einen enormen Erfolg. In einer Großrazzia Ende Juli 2009 hatte die Polizei die vier Clubs vorübergehend geschlossen – wegen hygienischer Mängel und fehlender Sozialversicherungsbeiträge. Der Pussy-Club in Heidelberg hat sein Angebot inzwischen geändert, auch in Fellbach gibt es keinen Flatratesex mehr.
Der Vorsitzende Richter erklärte, die Frauen seien in dem Etablissement nicht zur Prostitution gezwungen worden. Es hätten fast ausschließlich Rumäninnen dort gearbeitet, und die dürften laut Gesetz bisher nur als Selbstständige in der Bundesrepublik tätig sein. Davon sei aber in den Pussy-Clubs keine Rede gewesen: “Die Frauen bekamen ihre Arbeitszeiten vorgegeben, und die Geschäftsführerin selbst hat in einer Pressemitteilung erklärt, die Frauen würden kein unternehmerisches Risiko tragen” – ein Satz, den sie wohl bereue.
Drei weitere Angeklagte wurden wegen Beihilfe verurteilt. Die Leiterin des Heidelberger Clubs bekam anderthalb Jahre auf Bewährung, eine 22-Jährige, die in Fellbach die Chefin vertreten hatte, neun Monate. Ein Werbekaufmann, der die Pressearbeit übernommen hatte, wurde verwarnt: “Sie wären gerne stärker eingestiegen, aber Sie blieben Externer”, meinte der Richter. Die Angeklagten hatten ihre Tatbeteiligung nach Absprachen zwischen den Prozessbeteiligten über das Strafmaß eingeräumt.
Patricia F. und die Mitbetreiber gehörten für die Richter zum Leitungsteam in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Hintermänner – mehrere Männer in Rumänien, Deutschland und Spanien wurden festgenommen.
(Quelle: stuttgarter-zeitung.de)

