Aidsinfektionen nehmen zu
Zahl der Prostituierten steigt: Konkurrenzdruck steigert Risikobereitschaft
Stuttgart – Die Zahlen sind alarmierend: Allein im vergangenen Jahr wurden 133 neue HIV-Infektionen im Regierungsbezirk Stuttgart gemeldet – fast doppelt so viele wie im Jahr 2001, als sich 71 Menschen mit dem Immunschwäche-Virus (Humane Immundefizienz-Virus) infiziert hatten. In der Stadt Stuttgart wurden 60 neue HIV-Fälle gemeldet. Noch drastischer ist die Zahl der Syphilis-Neuinfektionen, für Gesundheitsexperten ein Indikator für ungeschützten Geschlechtsverkehr: Mit 52 registrierten Fällen haben sich 2006 mehr als dreimal so viele Menschen in Stuttgart mit der Geschlechtskrankheit angesteckt wie noch 2001.
Ein Hauptgrund für die steigende Zahl der Erkrankungen ist nach Ansicht von Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch die zunehmende Prostitution in der Landeshauptstadt. Auf Grund des wachsenden Konkurrenzdrucks gingen die Prostituierten zunehmend leichtfertiger mit den Gesundheitsgefahren um. Die höchsten Zuwachsraten der neu mit HIV und Syphilis Infizierten finden sich bei den Männern, die Sex mit Männern haben.
In Stuttgart waren nach Polizeiangaben im vergangenen Jahr 3652 Frauen als Prostituierte registriert. Seit 2001, als noch 2786 Frauen ihren Körper verkauften, sei ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Besonders stark angestiegen, von 480 auf 754, ist der Anteil der Frauen, die ihr Geld auf dem Straßenstrich verdienen, der damit einen neuen Höchstwert erreicht hat. Hatten 2001 noch 39 Prozent der Prostituierten einen ausländischen Pass, stieg deren Zahl bis 2006 auf 65 Prozent. Der Ausländeranteil bei den männlichen Prostituierten stieg von 52 auf 73 Prozent. Im vergangenen Jahr haben sich 451 Männer in Stuttgart als Prostituierte verdingt – 2001 waren es noch 251 -, davon 336 als Stricher.
Durch den zunehmenden Konkurrenzdruck nehmen viele Prostituierte ein höheres Gesundheitsrisiko in Kauf, berichtete Bürgermeisterin Müller-Trimbusch am Montag im Sozial- und Gesundheitsausschuss. Immer häufiger verlangten Freier ungeschützten Geschlechtsverkehr. Damit steige auch die Gefahr von Infektionsketten.
Vor diesem Hintergrund will die Stadt nun die Präventionsarbeit verstärken und mit neuen Konzepten vor allem die ausländischen Prostituierten ansprechen. “Wir wollen die Angebote insbesondere im niederschwelligen Bereich verstärken”, sagte Müller-Trimbusch. So sollen ausländische Männer und Frauen aus dem Milieu als Sprachmittler in Zusammenarbeit mit den Streetworkern qualifiziert werden. Außerdem will die Verwaltung die beiden Prostituiertencafés La Strada für Frauen und Café Strich-Punkt für Männer in Abstimmung mit den Trägern zu einer gemeinsamen Anlaufstelle weiterentwickeln.
(Quelle: stuttgarter-nachrichten.de)

