In drei Erfurter Bezirken Prostitution erlaubt
Ordnungsgemäß angemeldet haben das älteste Gewerbe der Welt in Erfurt derzeit 25 “Unternehmen” – und zwei Zimmervermittlungen zum Zweck der Prostitution. Natürlich alle außerhalb des Sperrbezirkes.
Erfurt. Im vergangenen November erließ das Landesverwaltungsamt die “Verordnung zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes in der Landeshauptstadt”. Eine Verordnung, die den Bordellbetrieb in Erfurt regelt. Sie wurde notwendig, weil sich die “Szene” zuvor über das gesamte Stadtgebiet verteilt hatte, Jugendschutz nicht mehr garantiert werden konnte. Nachdem eine erste Version der Verordnung vom Verwaltungsgericht gekippt wurde (die Grenzen waren nicht exakt genug formuliert), dient die Variante vom 17. November 2010 in Erfurt jetzt als Grundlage.
Diese toleriert nur drei Erfurter Bereiche für “Dirnenhäuser und Dirnenunterkünfte”: die Weimarische Straße, August-Röbling-Straße und Salinenstraße/Stotternheimer Straße. Wobei es ausschließlich um bekannte, fast schon “traditionelle Standorte” geht. Ansonsten ist in Erfurt die öffentliche Prostitution generell verboten. Und die Erfurter halten sich scheinbar daran, denn das Thema Prostitution taucht bei der Polizei kaum auf. Skandale im Sperrbezirk: Fehlanzeige. Außerdem wird reichlich kontrolliert. Wie Pia Hemmelmann, amtierende Leiterin des Bürgeramtes, erklärt, kommen Hinweise aus der Bevölkerung, meist direkt aus den betroffenen Häusern. 129 Kontrollen der “Sperrbezirksverordnung” wurden im vergangenen Jahr getätigt dabei geht es hauptsächlich darum, eine Gewerbenutzung der Adressen nachzuweisen. Auch ohne Hinweis werde kontrolliert; in die Karten schauen lassen wollte man sich hier aber nicht . . .
Eine Gesundheitskontrolle ist ungleich schwerer. Denn als die Prostitution als Gewerbe, samt Krankenversicherung, zugelassen wurde, schaffte man den “Persilschein” ab. In Folge auch die Beratungsstelle, die in Erfurt in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut worden war. Amtsärztin Dr. Christina Rohmann kann sich noch an die ersten Wendejahre erinnern, als ihre Mitarbeiter auffälligen Anzeigen in der Zeitung nachgingen, um aufzuklären und über die Untersuchungspflicht zu informieren. Damals habe es in Erfurt noch richtige Bordellbetreiber gegeben, die einen Ruf zu verlieren hatten, auf die Gesundheit ihrer Mädchen achteten. Heute liege der gesundheitliche Aspekt in Eigenverantwortung auf beiden Seiten. Von amtlicher Seite kontrolliert werden nur noch Häuser mit Gemeinschaftsbereichen, wie der “Saline-Club”. Der blieb übrigens stets ohne Beanstandungen.
Doch wie viele Frauen ohne Gewerbeanmeldung ihrem Geschäft nachgehen, bleibt eine Grauzone. Anzeigenblätter sind voll mit Rufnummern von Mädchen, die “Neu in Erfurt” sind. Noch breiter ist das Spektrum im Internet. Selbst in der historischen Sündenmeile, der Michaelisstraße, wird die Tradition noch gepflegt. Und in der Metallstraße, die in den frühen 1990er Jahren zu einem zweiten Sankt Pauli ausgebaut werden sollte, sollen wieder rote Lichter gesichtet worden sein.
(Quelle: thueringer-allgemeine.de)

