In drei Erfurter Bezirken Prostitution erlaubt

Posted in News by victor @ Feb 11, 2011 - Kommentare deaktiviert

Ordnungsgemäß angemeldet haben das älteste Gewerbe der Welt in Erfurt derzeit 25 “Unternehmen” – und zwei Zimmervermittlungen zum Zweck der Prostitution. Natürlich alle außerhalb des Sperrbezirkes.

Erfurt. Im vergangenen November erließ das Landesverwaltungsamt die “Verordnung zum Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes in der Landeshauptstadt”. Eine Verordnung, die den Bordellbetrieb in Erfurt regelt. Sie wurde notwendig, weil sich die “Szene” zuvor über das gesamte Stadtgebiet verteilt hatte, Jugendschutz nicht mehr garantiert werden konnte. Nachdem eine erste Version der Verordnung vom Verwaltungsgericht gekippt wurde (die Grenzen waren nicht exakt genug formuliert), dient die Variante vom 17. November 2010 in Erfurt jetzt als Grundlage.

Diese toleriert nur drei Erfurter Bereiche für “Dirnenhäuser und Dirnenunterkünfte”: die Weimarische Straße, August-Röbling-Straße und Salinenstraße/Stotternheimer Straße. Wobei es ausschließlich um bekannte, fast schon “traditionelle Standorte” geht. Ansonsten ist in Erfurt die öffentliche Prostitution generell verboten. Und die Erfurter halten sich scheinbar daran, denn das Thema Prostitution taucht bei der Polizei kaum auf. Skandale im Sperrbezirk: Fehlanzeige. Außerdem wird reichlich kontrolliert. Wie Pia Hemmelmann, amtierende Leiterin des Bürgeramtes, erklärt, kommen Hinweise aus der Bevölkerung, meist direkt aus den betroffenen Häusern. 129 Kontrollen der “Sperrbezirksverordnung” wurden im vergangenen Jahr getätigt dabei geht es hauptsächlich darum, eine Gewerbenutzung der Adressen nachzuweisen. Auch ohne Hinweis werde kontrolliert; in die Karten schauen lassen wollte man sich hier aber nicht . . .

Eine Gesundheitskontrolle ist ungleich schwerer. Denn als die Prostitution als Gewerbe, samt Krankenversicherung, zugelassen wurde, schaffte man den “Persilschein” ab. In Folge auch die Beratungsstelle, die in Erfurt in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut worden war. Amtsärztin Dr. Christina Rohmann kann sich noch an die ersten Wendejahre erinnern, als ihre Mitarbeiter auffälligen Anzeigen in der Zeitung nachgingen, um aufzuklären und über die Untersuchungspflicht zu informieren. Damals habe es in Erfurt noch richtige Bordellbetreiber gegeben, die einen Ruf zu verlieren hatten, auf die Gesundheit ihrer Mädchen achteten. Heute liege der gesundheitliche Aspekt in Eigenverantwortung auf beiden Seiten. Von amtlicher Seite kontrolliert werden nur noch Häuser mit Gemeinschaftsbereichen, wie der “Saline-Club”. Der blieb übrigens stets ohne Beanstandungen.

Doch wie viele Frauen ohne Gewerbeanmeldung ihrem Geschäft nachgehen, bleibt eine Grauzone. Anzeigenblätter sind voll mit Rufnummern von Mädchen, die “Neu in Erfurt” sind. Noch breiter ist das Spektrum im Internet. Selbst in der historischen Sündenmeile, der Michaelisstraße, wird die Tradition noch gepflegt. Und in der Metallstraße, die in den frühen 1990er Jahren zu einem zweiten Sankt Pauli ausgebaut werden sollte, sollen wieder rote Lichter gesichtet worden sein.

(Quelle: thueringer-allgemeine.de)

Aus für den Straßenstrich?

Posted in News by victor @ Feb 10, 2011 - Kommentare deaktiviert

Dortmund. Im Schulterschluss haben SPD und CDU in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord am Mittwoch, wie angekündigt, die Abschaffung des Straßenstrichs an der Ravensberger Straße in Dortmund beschlossen – gegen die Stimmen der Grünen und der Linken.

Auch wenn die Zuständigkeit der Bezirksvertretung in dieser Frage strittig ist, sei es „Zeit, einen Schlussstrich unter den größten Straßenstrich Westdeutschlands zu ziehen“, so Bezirksbürgermeister Siegfried Böcke (SPD). Der vor elf Jahren gestartete Versuch, mit der Ravensberger Straße die Lebensbedingungen im Schleswiger Viertel zu verbessern, sei gescheitert, erklärte Dr. Marita Hetmeier, SPD-Vorsitzende des Stadtbezirks Nord.

Immer mehr Bulgaren

Damals hätten bis zu 100 Frauen im Schleswiger Viertel angeschafft – Hausfrauen und Drogensüchtige –, heute seien es an der Ravensberger 600 Frauen aus Bulgarien“, berichtet Thomas Bahr, CDU-Fraktionschef in der Bezirksvertretung. Innerhalb von drei Jahren sei die Zahl der Bulgaren im Sog der Prostitution von 300 auf über 4000 geschnellt.Die Begleiterscheinungen und „kriminellen Aktivitäten“ belasteten vor allem das Schleswiger Viertel, ergänzt Hetmeier: „Das ist nicht mehr lebbar für die Nordstadt“ und sei auch den Prostituierten nicht zuzumuten. Mit der Aufrechterhaltung des Straßenstrichs fördere man indirekt die Zwangsprostitution.

“Dortmund braucht keinen Strich”

„Es steht nirgendwo geschrieben, dass Dortmund einen Straßenstrich braucht. Schließlich gibt es die Linienstraße“, stellt SPD-Fraktionssprecherin Brigitte Jülich fest. Es reiche nicht mehr, die Straßenprostitution einzudämmen und dem Strich die regionale Anziehungskraft zu nehmen, wie von OB Sierau angestrebt. Das komme zu spät. Hetmeier: „Die Frage ist nicht mehr, woher kommen die Freier, sondern wie viel Frauen leben mit ihrem Umfeld schon in der Nordstadt.“

Für die Grünen dagegen steht „der legale Straßenstrich in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der illegalen Prostitution in Wohngebieten oder den menschenunwürdigen Wohnverhältnissen in einigen Häusern der Nordstadt“. Man wolle weiter nach „praktikablen und realistischen Lösungen“ suchen.

Mehr Kontrollen

Nach Auffassung von SPD und CDU muss die Schließung des Straßenstrichs nicht zu vermehrter Prostitution in den Wohngebieten führen, Die Stadt müsse nur mehr kontrollieren. Sollte der Rat sich nicht dem Beschluss der Bezirksvertretung anschließen, werde man weiterkämpfen, so Vize-Bürgermeisterin Gerda Horitzky (CDU).

(Quelle: recklinghaeuser-zeitung.de)

“Sexarbeit wird anderen Berufen schrittweise ähnlicher”

Posted in News by victor @ Jan 11, 2011 - Kommentare deaktiviert

Bis zu 150.000 Prostituierte gibt es bundesweit. Auch im ältesten Gewerbe gibt es einen Trend zur Spezialisierung. Nachwuchssorgen kennt die Branche nicht.

Berlin – Ein Kleinwagen steht auf einem verschneiten Parkplatz. Jessica M. hat darin Sex mit einem Mann, der ihr danach ein paar Münzen gibt, insgesamt 15 Euro. Die 28-Jährige steigt aus dem Auto und wartet fröstelnd am Strich in der Berliner Kurfürstenstraße auf neue Kunden. Maria S. aus Moldawien bekommt ein paar Kilometer weiter in einem Großbordell 60 Euro pro Freier, 30 behält sie, der Rest ist Miete für das rotlichtgeflutete Arbeitszimmer samt Kondomen. Auf einer Kommode in einem Hotel im Stadtzentrum liegen 1000 Euro in einem Umschlag. Katja L., tagsüber Studentin, steckt ihn ein und packt mitgebrachtes Sexspielzeug aus. Der Hotelgast öffnet Sekt.

Stephanie Klee, seit 25 Jahren Hure, besucht einen Kunden in einer Seniorenresidenz. In Berliner Pflegeheimen hat sie schon Vorträge über „Sex im Alter“ gehalten.

Sexarbeit ist verschieden – und wird sich weiter ausdifferenzieren. Grundsätzlich ist „anschaffen gehen“ hierzulande seit 2002 nicht mehr strafbar. Sexarbeiterinnen stehen Krankenversicherungen offen, sie haben Anspruch auf Lohn, Finanzämter fordern Steuern. An der gesellschaftlichen Stigmatisierung hat das wenig geändert. Immer noch gilt nicht der Freier als unmoralisch, sondern die Sexarbeiterin. Geschätzt wird, dass nur ein Prozent der Huren als solche gemeldet sind. Die Landesinnenminister wollen Prostitution stärker überwachen. So soll es eine Meldepflicht für Sexarbeiterinnen geben, um Zwangsprostitution einzudämmen. Mit „Erlaubnispflichten für Prostitutionsstätten“ soll verhindert werden, dass Menschenhändler Bordelle betreiben. Polizisten zufolge gibt es kaum Hinweise, dass das Gesetz von 2002 einen „kriminalitätsmindernden Effekt“ gehabt hat.

Stephanie Klee ist dennoch vorsichtig optimistisch: „Sexarbeit wird anderen Berufen schrittweise ähnlicher“, sagt die Berlinerin, die auch Sprecherin des Bundesverbandes sexuelle Dienstleistungen ist. Wie in anderen Wirtschaftszweigen gibt es im Rotlichtmilieu einen Trend zu Spezialisierung. Die Prostitution konzentriert sich zunehmend in Großbordellen wie dem Artemis in Berlin-Charlottenburg, das neben Sauna und Pool auch ein Buffet bietet. Andere Häuser locken Kunden mit umstrittenen Rabatten: Sex für 70 Euro – gewissermaßen eine Flatrate für Sex.

Bis zu 150 000 Vollzeithuren gibt es Schätzungen zufolge bundesweit, weitere 250 000 Frauen bieten gelegentlich Sex gegen Geld an. Nur wenige Huren bekommen mehr als 2000 Euro im Monat zusammen. Durch den Zuzug aus Osteuropa hat sich das Verhältnis zwischen Freiern und Prostituierten zugunsten der Kunden entwickelt. Konnten vor 20 Jahren noch Huren die Preise vorgeben, ist der Konkurrenzdruck inzwischen so groß, dass sich Frauen vielerorts unterbieten.

Nachwuchssorgen kennt die Branche aber auch unter deutschen Frauen nicht. Wer keine Lust auf einen Bürojob hat oder in anderen Berufen gescheitert ist, wen Abenteuerlust oder schnelles Geld locken, findet via Annonce im Internet in wenigen Tagen zahlende Kunden.

Historisch existiert immer beides: Elends- und Edelprostitution. Neben angesehenen Hetären gab es im antiken Griechenland auch Hafenhuren, neben geschätzten Geishas in Asien wehrlose Zwangsprostituierte, neben bewanderten Kurtisanen in Europas Adelshäusern auch Massenbordelle für Soldaten.

Künftig wird käuflicher Sex verstärkt von Menschen nachgefragt werden, die bisher wenig mit Prostitution zu tun hatten. Klee geht etwa davon aus, dass die Zahl der Kunden mit Behinderungen und in Altersheimen steigen wird. Eine Berliner Heimleiterin erzählt, sie würde gern einen „Raum für Intimtreffen einrichten“, stehe mit dem kirchlichen Betreiber des Hauses aber noch vor Gesprächen.

Auch der Wellnessbordellbetrieb Artemis ist auf hilfsbedürftige Kunden vorbereitet: „Wichtig ist für uns, darauf hinzuweisen, dass das Artemis behindertengerecht eingerichtet ist“, wirbt der Laden. Es gebe eine Umkleidekabine und Dusche für Rollstuhlfahrer. „Sollte trotzdem einmal Hilfe benötigt werden, steht unser Personal gerne zu Verfügung.“

Noch zahlen Krankenkassen bedürftigen Menschen käufliche Zuneigung nicht. Aber immerhin gibt es im Versicherungsdeutsch schon einen angemessenen Begriff: Sexualassistenz.

(Quelle: tagesspiegel.de)

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